chifan: Stillstand beim Film? erstellt am: 07.12.2006 - 13:56:50
Filme sollten Geschichten erzählen, Geschichten die uns eintauchen lassen in eine andere Welt – sei es die reale oder aber auch eine Fremde. Aber was ich immer mehr sehe, sind Filme die verlernt haben Geschichten zu erzählen. Stattdessen wird altbewährtes genommen und lediglich variiert. Es werden Filme zu Serien ausgebaut und/oder der Zuschauer immer mit den gleichen Welten, Charakteren, Geschichten konfrontiert. Immer muss eine Person/Stadt/Land/Welt gerettet werden. Immer gibt es irgendwo eine Liebe die gefunden oder erobert werden muss. Immer eine Person aus dem Elend ins Licht gelangen…
Natürlich ist es Sinn einer Liebesgeschichte, dass sich letztlich zwei Personen finden oder auch nicht. Die Frage ist aber wie ich das Ganze erzähle. Und da finde ich bleibt der Film ein wenig auf der Stelle stehen. Wenn ich mich hingegen in der Literatur umsehe, habe ich wirklich wenige Bücher gelesen, die Geschichten nach demselben Prinzip ablaufen lassen. Warum schafft der Film das nicht? Wo sind die Geschichten die es wert sind erzählt zu werden, die es wert sind auf Film gebannt zu werden. Ja, da gibt es die Woody Allens und Wim Wenders und dergleichen mehr. Aber ich will auch Kino, das abseits dieser „intellektuellen Schiene“ mehr zu bieten hat. Im Laufe der Jahre sind mir viele Filme die ich mochte vergällt worden. Beispielsweise kann ich Star Trek einfach nicht mehr ertragen, das gleiche gilt für die mittlerweile unzähligen Comicadaptionen.
Der Vorteil des Films gegenüber der Literatur ist die Möglichkeit den Zuschauer durch Bilder gefangen zu nehmen. Aber auch hier ist ein gewisser Stillstand zu entdecken. Anstatt wirklich neue Konzepte der visuellen Gestaltung zu entwickeln bzw. zu nutzen (Bsp.: Stay) oder der Erzählung mit Hilfe der Bilder mehr Ausdruck zu verleihen (The Banquet (Ye Yan)) – übrigens die letzten beiden visuell beeindruckenden Filme die ich im Kino gesehen habe, wenn auch jeder auf eine andere Art – scheint man hier wenig experimentierfreudig zu sein. Aber vielleicht ist das Ganze auch nur ein Zeichen der Übersättigung.

Mich würde einfach mal eure Meinung dazu interessieren.
tuennes: RE: Stillstand beim Film? erstellt am: 08.12.2006 - 00:28:07
Deine Kritik klingt für mich ein wenig pauschal. Natürlich bietet die Masse an Filmen wenig Neues. Das liegt aber IMO hauptsächlich am Publikum, dass sich lieber bei den altbekannten Geschichten gut fühlt als sich überraschen zu lassen oder auch nur was Ungewohntes zu erleben.
Für ein Nischenpublikum gibt es aber immer noch den besonderen Film. - Obwohl man den außerhalb der Großstädte kaum mehr im Kino zu sehen bekommt. Zum Glück gibt es ja noch Heimkino.
Die Kritik an der Wiederholung der Handlungselemente kann man aber noch weiter verallgemeinern: letztlich gehen fast alle Kinofilme auf Grundformen wie Tragödie und Komödie aus dem antiken Griechenland zurück. Darauf baut unsere abendländische Erzählkultur nunmal auf - und das wird sich auch sobald nicht ändern...
Kai: RE: Stillstand beim Film? erstellt am: 08.12.2006 - 15:25:47
Auch ich hab irgendwie das Gefühl weniger Filme im Kino zu sehen die mich wirklich faszinieren. Das war früher definitv anders. Dies könnte aber auch mit einer wachsenden Erfahrung zu tun haben - man hat langsam halt doch einfach alles gesehen - was wiederrum für deine Theorie der immer nach dem gleichen Schema ablaufenden Filme spricht. Man muß aber auch den Hintergrund sehen: durch die imensen Kosten einer Kinoproduktion bleibt nicht mehr viel Platz für allzuviele Experimente (=potentielle Flops) ;-(
Audrey: RE: Stillstand beim Film? erstellt am: 11.12.2006 - 23:07:26
Der Eindruck dürfte durch die Dominanz der Hollywoodstudios, die nicht gerade für ihre Experimentierfreudigkeit bekannt sind (und das wohl schon lange), entstehen. Independent-, Arthaus- und Filme anderer Länder gibt es zur Genüge. Die Kinos lassen sich heutzutage selten Zeit, denen, die ja meist nicht das gigantische Werbebudget haben, eine Chance zu geben, und das war früher, denk ich, schon anders. Mir fällt da Sonnenallee ein, der sich erst nach ein paar Wochen allein durch Mundpropaganda richtig gut verkaufte. Heute wäre er nach ein/zwei Wochen aus dem Programm und in Vergessenheit. Andererseits gibt es ja quasi als Kompensation X-Filme, die gute deutsche Filme auch aktiv vermarkten.

Wie dem auch sei, ich habe dieses Jahr schon viele interessante Filme gesehen, gehe dem Mainstream aber eh ein bissel aus dem Weg. Und ich habe definitiv auch viele interessante Filme verpasst, weil sie nicht lang genug liefen.
chifan: RE: Stillstand beim Film? erstellt am: 20.12.2006 - 16:27:05
Ein wenig pauschal war meine Aussage schon, allerdings empfinde ich dies aber auch so. Es gab dieses Jahr wirklich wenige Filme die mich inhaltlich und/oder technisch o.ä. überzeugt haben.
Und fraglich ist, ob die Masse der Leute tatsächlich nur Altgewohntes sehen will. Es gibt ja diesbezüglich keine Alternativen um das zu überprüfen, wobei ich hier bewußt das Programmkino ausklammern möchte! "Inhalt" ist doch nichts, was sich beim sogenanten "Mainstreamkino" ausschließen muss. Ich kann doch Geschichten erzählen ohne in philosophische Ebenen, in dialoglastige, bedeutungsschwangere Erzählstrukturen zu verfallen. Deshalb auch mein Vergleich zur Literatur. Ich muss nicht stänig "anspruchsvolle" Bücher lesen um nicht stänig das Gleiche zu lesen. Ich habe selten ein Buch gelesen, was irgendeinem anderen gleicht - und ich denke ich habe schon eine ganze Menge gelesen. Ich kann mich kaum an ein Buch erinnern, bei dem ich schon am Anfang wußte, wo es genau hinführt oder wie es endet. Und das ist das Problem beim Film. Hier scheint es eine abzählbare Anzahl an Geschichten zu geben die lediglich leicht verändert oder ein wenig durcheinandergewürfelt einen neuen Film ergeben, wo aber nichts eigenständig Neues dabei herauskommt. Alles hat man in der Form schon irgenwann, irgendwo gesehen. Vielleicht ist ein Problem, dass die Genres zu klar abgesteckt sind und dass Filme deshalb zu sehr nach einem gewissen Schema gedreht werden - ich habe einen Aktionfilm also muss dieses und jenes passieren. Vielleicht sollte versucht werden, eben diese Grenzen zu sprengen. Einen Film eben nicht als Aktionfilm sondern als Geschichte anzusehen.
Audrey: RE: Stillstand beim Film? erstellt am: 09.07.2007 - 15:52:54
Ich denke nicht, daß das Publikum immer nur das gleiche sehen will. Das würde ich daran festmachen, daß einige Filme, die als Blockbuster geplant waren, dann doch nicht die benötigten Massen anziehen. Bei den in Hollywood üblichen Budgets sind Risikos arg gefährlich...
Um mit "anderen" Filmen Leute ins Kino zu locken, braucht man, glaube ich, ein angemessenes Werbebudget. Kaum jemand geht in einen Film, von dem er noch nix gehört hat, und sei es auf dieses HP. ;-)

Nachdem ich nun in die Kinoprovinz geraten bin, wird mir der Genuß origineller Filme erheblich erschwert. Wahrscheinlich teile ich deinen Eindruck bald.
Kai: RE: Stillstand beim Film? erstellt am: 09.07.2007 - 18:24:26
hehe, da da machts durchaus einen Unterschied wo man lebt ;-) Wo ist diese Kinoprovinz nochmal?
Audrey: RE: Stillstand beim Film? erstellt am: 14.08.2007 - 18:51:58
Gießen. Worst case für ne Universitätsstadt, was die Kinolandschaft angeht, würde ich schätzen.
Nun es gibt immerhin eine Originalfassung in der Woche (Dienstag abends). Insofern bin ich gleich weg... ;-)
tuennes: RE: Stillstand beim Film? erstellt am: 15.08.2007 - 07:51:29
Oh... Ich dachte, ich kuck jetzt mal im Internet, was in Gießen läuft, und schreibe dann, dass in der Universitätsstadt Paderborn alles noch viel schlimmer ist... Jetzt hab ich nachgeschaut... Mein Beileid, Audrey. *g*
chifan: RE: Stillstand beim Film? erstellt am: 15.08.2007 - 18:56:23
Mein Beileid euch beiden. Dachte schon ich säße in Mainz in nem Kinokaff - aber gegen Gießen und Paderborn ist das ja noch eine filmische Hochburg.
Audrey: RE: Stillstand beim Film? erstellt am: 16.08.2007 - 15:21:17
Wie weit ist denn Mainz weg? Das ist ja schon fast Hessen. Nach Frankfurt bin ich ja schon ins Kino gefahren, aber das ist natürlich ein teurer Spaß mit dem Zug...

Da seht ihr mal, wie gut es euch geht.
chifan: RE: Stillstand beim Film? erstellt am: 16.08.2007 - 23:03:58
Von Mainz sind es etwa 60min mit der S-Bahn bis nach Frankfurt. Aber um Abends ins Kino zu gehen ist mir das ehrlich gesagt zu weit :).
Kai: RE: Stillstand beim Film? erstellt am: 17.08.2007 - 15:57:37
hehe da ist ja das Programm in meinem heimatlichen Cineplex noch besser *g*
tuennes: RE: Stillstand beim Film? erstellt am: 19.08.2007 - 16:56:06
@chifan: Mich brauchst du nicht mehr bemitleiden. Ich bin ja inzwischen in Köln gelandet... :-)
Audrey: RE: Stillstand beim Film? erstellt am: 20.08.2007 - 19:12:33
Herzlichen Glückwunsch, tuennes. Da muß ich dich doch gleich mal ne Runde beneiden. Das ist ja kinomäßig gar net schlecht. Viel Spaß!
tuennes: RE: Stillstand beim Film? erstellt am: 20.08.2007 - 22:36:54
@Audrey: Aber soll ich dir mal was sagen? Hier läuft auch nicht mehr alles. In München und Berlin ist man noch ein bisschen besser dran... ;-)
Audrey: RE: Stillstand beim Film? erstellt am: 21.08.2007 - 18:38:16
Na sowas. *schnüff* Ich will wieder nach München...

Aber um mal wieder zum Topic zu kommen. Meint ihr der Eindruck hängt vom Wohnort ab?

Wenn man nur daran denkt, wie viele wunderbare Filme z.B. aus Tschechien/Island oder sogar aus Frankreich nicht mal hier ins Kino kommen. Schon traurig.

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